Ein Hobby nach alter Schule

Juliva am 20. Juli 2010

Es gibt viele Möglichkeiten der Freizeitbeschäftigung und gerade in den letzten 15 bis 20 Jahren sind so viele Fun- und Trendsportarten neu erfunden und neue Sportgeräte auf den Markt gebracht worden, dass man schon kaum noch weiß, für welche Art Tätigkeit man sich in seinen freien Stunden der Woche entscheiden soll. Doch manch einer greift einfach auf Altbewährtes zurück und geht einem schönen, geselligen und sehr alten Hobby nach – dem Tanzen.

Kein Standard mehr

Bestenfalls im Teenageralter haben die Meisten das letzte Mal das Tanzbein geschwungen. Als Achtklässler in der Tanzschule hat man gerne seine Freizeit dazu aufgewendet, das Tanzen zu lernen. Und recht beliebt war die Einrichtung und Pflichtveranstaltung eigentlich auch nicht nur bei den Mädels. Denn schon immer ist der Treff zum Walzer tanzen auch eine Kontaktbörse gewesen, gerade in diesem Alter die einzige Möglichkeit, mit Vertretern des anderen Geschlechts auf Tuchfühlung zu gehen. So ging man immer fleißig hin, tanzte ganze Nachmittage durch, feierte kleinere Feste in Abendgarderobe und konnte dann zumindest auf dem eigenen Abiball ein paar Runden drehen. Inzwischen kann man nicht mehr davon ausgehen, dass man jeden Menschen im Erwachsenenalter mit der Aufforderung zum Tanz eine Freude bereitet. Denn kaum jemand beherrscht noch die Tanzschritte für Walzer, Cha-Cha, Foxtrott und Co.

Lieber unverbindlich bleiben

Schaut man sich zum Beispiel auf einer Hochzeit um, schaffen es vielleicht gerade noch Braut und Bräutigam den Eröffnungstanz hinzukriegen, dann wird es – jedenfalls unter den jüngeren Semestern – schon eng. Ist es für alle Gäste über fünfundvierzig völlig selbstverständlich, sein Repertoire an Standardtänzen abspulen zu können, wenn es denn sein muss, bewegen sich die Jüngeren eher unbeholfen in improvisierten Halbpaar oder Einzeltänzen über das Parkett. Dabei kann Tanzen so herrlich verbindlich und vor allem verbindend sein. Wer diesem Hobby nachgeht, lernt immer neue Leute kennen. In Tanzschulen kann man sich als Partnerersatz anbieten, wenn sich mehr Singles als Paare zum Kurs anmelden oder einfach zu den regelmäßigen Tanzveranstaltungen gehen, die von Tanzschulen und -zentren organisiert werden.

Wieder im Kommen

Auch im öffentlichen Kulturprogramm haben Standardtänze immer noch ihren festen Platz. Hier und da werden zu besonderen Anlässe noch richtige Bälle organisiert und selbst im Fernsehen findet das Tanzen in neuen Sendeformaten und durch Vertretung der Prominenz wieder Platz. Die blutigen Anfänger, die nach dem Üben wirklich eine ansehnliche Sohle aufs Parkett legen, haben bestimmt schon so manchem Unentschlossenen zu einer neuen Freizeitbeschäftigung verholfen. Denn warum muss immer das Neueste und Schnellste auch das Beste sein. Mit dem Tanzen hat man ein zeitloses, kommunikatives und geselliges Hobby, mit dem man sich auf jedem gesellschaftlichen oder privaten Parkett sicher bewegen kann.

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