Freizeitgestaltung: 4 beliebte Mittel
Juliva am 29. Juni 2010
Es ist ein hervorragendes Mittel zur Machterhaltung: man lässt das Volk zu schlechten Löhnen arbeiten, bis es zu ausgelaugt ist, überhaupt noch zu denken. Praktisch natürlich, wenn diese Form, die Menschen dumm zu halten Hand in Hand geht mit einigen Regeln des Wirtschaftssystems: wer es im Kapitalismus schafft, möglichst viele Arbeiter gegen möglichst geringe Bezahlung einzustellen, hat einen großen Wettbewerbsvorteil.
Heimwerken als Hobby
Da nun denjenigen, die sich ihr Brot sauer verdienen, nach einer auslaugenden Woche häufig nichts einfällt, sich selbst zu beschäftigen, muss man ihnen die Spiele ebenfalls vorsetzen. Und so gibt es ein paar Angebote zur Freizeitgestaltung, aus denen man wählen kann, wenn man resigniert hat, da man sich dem Arbeitsmarkt ergeben hat. Und daraus, das passt ja wie die sprichwörtliche Faust aufs sprichwörtliche Auge, kann man auch wieder ein hervorragendes Geschäft machen und bei diesem auch noch so profitabel es geht Arbeitskräfte anstellen. Heimwerken und Freizeitparks etwa sind Standardangebote. Erlebnisurlaub um Wellness gehören mit Sicherheit auch in diese Kategorie.
Heimwerken ist an sich natürlich ein äußerst produktives Hobby. Wie produktiv, das kommt natürlich darauf an, was man herstellt und ob man es um seiner selbst willen betreibt, oder aber einfach nur, um etwas zu tun zu haben. Und letztlich muss man bei allem, was man tut, selbst am besten wissen, wie sinnvoll das ist. Manch einem – es sind ja leider vorwiegend Männer, die diesem Hobby frönen – genügt zu seinem Glück eine Runde mit der Bohrmaschine, wo andere lieber aufs Konzert oder ins Theater gehen. Oder der Gang in den Heimwerkermarkt – aber da wird’s dann schon wieder gefährlich. Kaufen um des Kaufens willen: brauche ich für den Abfluss noch eine Ersatz Lochscheibe Bosch? Oder nicht – man gerät leicht wieder in die Kauffalle.
Produktiv oder berauscht?
Heimwerken ist ein relativ integres, da produktives Hobby. Angenehmer als Freizeitparks allemal. Sucht man im ersteren noch Erholung durch eigenständige, unabhängige Produktion, ist der Freizeitpark ein Hort des stumpfsten Konsums: man lässt sich bespaßen, und kommt ein wenig durchgeschüttelt heraus, ohne irgendetwas erlebt zu haben, das die Enkel später einmal interessieren könnte. Mit den Enkeln könnte man dort aber hingehen, denn deren Phantasie wird dort bestimmt angeregt – für sie ist es noch kein betäubender Rausch, sondern ein produktiver. Für Erwachsene ist es doch eher ein billiger Rausch ohne Kater, ohne Selbstreflektion zur Folge – der staatstragendste aller Räusche vielleicht. Erlebnisurlaub macht sich schon bereits durch seinen Namen verdächtig, denn wo das Erlebnis programmiert ist, ist es kein richtiges Erlebnis mehr. Auch die Entspannung auf Kommando – der Wellnessurlaub – kann nicht halten, was er verspricht, denn wer ist schon entspannt, wenn er/sie es sein soll? Doch immerhin wird hierbei – und fairerweise muss man das auch vom Erlebnisurlaub sagen – das Bewusstsein nicht vollkommen ausgeschaltet.
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